“Die Anderen” und Menschenrechte

Seit etwas 1 ½ Jahren bin ich nun raus aus dem Deutschland, das ich kenne. Ich weiß, dass ich zu einem ganz anderen Deutschland, ja zu einem ganz anderen Europa zurückkehren werde. Plötzlich ist es in weiten Teilen unserer Gesellschaft akzeptabel offen rassistisch zu sein. Denn irgendwie haben wir es trotz der ganzen Aufklärung und den Erlebnissen in unserer nahen Vergangenheit nie geschafft den unterschwelligen Rassismus loszuwerden. Fundamentalisten aller Seiten nutzen das in diesen Zeiten mit größter Freude aus.

Jeder hetzt gegen “die Anderen”. Dabei ist es egal welcher Religion man angehöhrt oder wie man aussieht oder, oder, oder. Darum geht es meiner Meinung nach auch gar nicht. Vielleicht vordergründig. Doch ganz tief im Inneren geht es um die Überzeugung, dass man Menschen anhand unterschiedlicher Maßstäbe messen kann. Es geht um das Konzept, dass Menschen nicht gleich viel wert sind und dadurch unterschiedlich behandelt werden können oder es gar verdienen anders behandelt zu werden.

Als Menschen brauchen wir das Konzept “der Anderen”. Gerade in der Kindheit und Jugend grenzen wir uns teilweise bewusst und unbewusst von anderen ab um unsere eigene Identität zu entwickeln. Daraus resultieren unsere Überzeugungen, unsere Art zu Leben und so vieles mehr. Es ist wichtig sich abzugrenzen. Das macht es allerdings nicht richtig aus dieser Abgrenzung eine Wertbarkeit abzuleiten.

Es ist egal wo ich in der Welt war, immer wieder habe ich mir, wenn ich von Erlebnissen oder von kulturellen Unterschieden zu anderen Ländern berichtet habe, anhöhren müssen: “Oh, das ist bei uns aber besser.” Und oft sage ich dann: “Nein, ist es nicht. Es ist einfach nur anders.” Ich halte nicht viel von diesen subjektiven Verallgemeinerungen. Sicher, in deinem kulturellen, politischen und sozialen System mag etwas für dich persönlich besser sein, das sagt aber nichts aus über die Funktionalität dieses Etwas in einem anderen kulturellen, politischen und sozialen Systems aus. Und es macht dich schon gar nicht besser als die, die nicht in deinem System sind.

Worauf ich hinaus möchte sind Menschenrechte. Wie sollen diese bitte funktionieren, wenn wir alle immer noch der Ansicht sind, das Menschen unterschiedlich viel wert sind? Wir sind empört wenn in anderen Ländern Menschenrechte missachtet werden, aber wenn wir das selbst tun, dann ist das ok? Auf welcher Basis und mit welchem Recht kommen wir zu diesem Urteil?

Keiner von uns ist besser oder schlechter, wir sind einfach nur anders.

Und zum Abschluss, hier die Präambel und die ersten drei Artikel der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948. Wer gerne alle 30 Artikel lesen möchte, findet hier ein pdf der UN.

 

PRÄAMBEL

Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,

da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt,

da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen,

da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern,

da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen in größerer Freiheit zu fördern,

da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten hinzuwirken,

da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist, verkündet die Generalversammlung diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

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