#eineArmlänge Abstand zu Muslimen

Was in Köln passiert ist, ist furchtbar und unfassbar. Als Mensch, ja, nicht “nur” als Frau, bin ich schockiert und entsetzt. Doch was nun auf die Ereignisse in Köln am Haupbahnhof folgt, ist mindestens genauso verstörend und ekelerregend.

Eine regelrechte Hetzjagd auf alles “Fremde”. Um genau zu sein, die bösen Muslime. Es ist wirklich eine Schande. Aus diesen absolut furchtbaren Ereignissen hätte ein Dialog gestartet werden können. Ein Dialog über ein Problem, dass nicht nur Deutschland betrifft, sondern weltweit greift. Wir hätten etwas verändern können. Stattdessen versagt die Polizei, die Rechten wissen die Vorkommnisse für ihre eigene Propaganda zu nutzen und viele springen gleich mit auf ihren Zug und schlagen auf den Sündenbock ein. Ist ja auch viel einfacher als das Problem Sexismus dirket anzugehen. Doch lösen wird es das nicht. Stattdessen wird uns das als Menschen immer weiter voneinander entfernen.

Als Frau kann ich aus eigener Erfahrung sagen – sexuelle Belästigung, Übergriffe und Sexismus sind leider für mich mehr zur Normalität als zur Ausnahme geworden. Schon im zarten Alter von elf musste ich mir anhöhren, dass ich ja ein hübsches Gesicht hätte, aber meine Brüste zu klein wären. Wie oft haben Autos neben mir gehalten und mir Männer Obszönitäten hinterher gerufen? Teilweise am helligen Tag! Wie oft bin ich mit meist mehr als einer Armlänge Abstand an Männern vorbeigelaufen und musste mir Sachen wie “Hey, Süße!” “Geiler Hintern!” oder “Na, dich würde ich ja gerne mal…” anhöhren? Wie oft musste ich mich auf der Arbeit von Männern UND Frauen als “Mädchen” bezeichnen lassen oder habe die Worte “Typisch Frau…” gehört. Wie oft wurde ich mit Gewalt durch die Gegend gezerrt und in Ecken gedrängt, wie oft wurde ich gegen meinen Willen begrapscht und wie oft haben Männer versucht mich gegen meinen Willen zu küssen? Und wie oft musste ich mich mit physischer Gewalt gegen solche Übergriffe verteidigen?

Fakt ist, kein Mensch hat das Recht einen anderen Menschen so zu behandeln, ganz egal welches Geschlecht oder welche Geschlechtsidentität der andere Mensch hat, oder wie man sich anzieht oder wie betrunken man ist. Fakt ist auch, das Einzige was all diese Männer gemeinsam hatten, war die Tatsache, dass sie einen Penis haben (Glaube ich jedenfalls, gesehen habe ich nämlich glücklicherwiese kaum einen.). Was wir also bei der ganzen Diskussion um unseren Sündenbock schmerzlich ignorieren ist, dass wir hier ein globales Problem haben. Eines, das nicht erst seit kurzem besteht und eines, das man nicht einfach abschieben kann.

Wir müssen unsere Einstellung gegenüber Jungen und Mädchen, sowie Männern und Frauen ändern und das passiert unter Garantie nicht, wenn wir unsere eigene Schuld auf andere projizieren. Stattdessen sollten wir uns bewusst werden, was wir als Gesellschaft unseren Jungs und Mädchen für Schwachsinn vermitteln. Denn ja, auch ich bin mit Mulan und “Sei ein Mann” aufgewachsen. Und warum bin ich wohl beleidigt, wenn man mich als erwachsene Frau als Mädchen bezeichnet? Das hat alles seine Wurzlen im tiefliegenden Sexismus unserer Gesellschaft. Und an dem sind nun mal nicht “die Ausländer”, “die Flüchtlinge” oder “die Muslime” schuld. Die Schuld liegt schon immer schlicht und ergreifend bei uns allen und wir geben unser Bestmögliches um das nicht zuzugeben.

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