Die Sache mit den Containern

Ich bin kein Fan von “Entwicklungshilfe” [1] in Form von Containern, die irgendwo im globalen Norden mit gebrauchtem Kram gefüllt und dann nach dem Motto “Seht wie toll wir doch sind! Wir schicken unseren alten Kram in ein anderes Land!” in den globalen Süden geschifft werden. Ganz ehrlich, was soll man mit gebrauchtem Kram wie Fahrrädern, die dann nachher nicht mal vernünftig repariert werden können, weil es vor Ort keine Ersatzteile gibt? Aus “Fahrräder fuer *LandimglobalenSüden*” wird dann irgendwann “Ersatzteile für *LandimglobalenSüden*” oder wie? Ich sehe in solchen Aktionen immer die Gefahr das Abhängigkeit von Außenstehenden entsteht und zudem – warum einen eigenen Wirtschaftszweig aufbauen, wenn man mit den subventionierten Preisen von Fahrrädern aus einem anderen Land nicht mithalten kann? Das erinnert mich an das Beispiel der Hühnerfleisch-Industrie in Ghana[2]. Schlechte Ernährungssituation in Ghana, also warum nicht das Hühnerfleisch, das im globalen Norden nicht gegessen wird einfrieren, in einen Conatiner stecken und zu Billigpreisen an die ghanaische Regierung verschärbeln. Alles unter dem Deckmantel der “Entwicklungshilfe”. Resultat: Hühnerfleisch-Industrie in Ghana geht kaputt – denn wer kauft schon noch teures ghanaisches Hühnchen, wenn man billig an Resthähnchen aus dem globalen Norden bekommt? Mal abgesehen davon, dass meist die Lagerung nicht klappt und das Fleisch dadurch Salmonellen verseucht ist… Nun da die Hühnerfleisch-Industrie am Boden ist, leiden natürlich die Hühnerproduzenten und alle die, die Materialien zur Zucht produzieren, beispielsweise Futterlieferanten. Was nun? – Klar, mehr Container! Dieses Mal um den Industriezweig wieder anzukurbeln, aber der Verkauf von unseren Resten wird natürlich nicht gestoppt… Ein Kreislauf der Abhängigkeit. Eigentlich etwas, was in der Entwicklungszusammenarbeit gerade nicht entstehen soll. Hauptaufgabe der Entwicklungszusammenarbeit ist es, sich selbst überflüssig zu machen. Meiner Meinung nach geschieht dies nicht indem wir wieder und wieder Dinge – die wir nicht mehr brauchen/wollen-  in den globalen Süden schicken, sondern indem wir aktiv Unabhängigkeit, Solidarität und eigenen Aufbau von Wirtschaftszweigen unterstützen. Ich denke, dass das Geld, das für die Logistik und den Transport solcher Container verbraten wird, wesentlich besser eingesetzt werden könnte.

Eine Ausnahme mache ich – Disaster Management. Hier sind Container meist die einzige Möglichkeit der Versorgung, aber auch hier sollte der Inhalt möglichst im Land oder zumindest in umliegenden Ländern gekauft werden und nicht nur aus unserem alten, ungewollten Kram bestehen.

[1] Von Entwicklungszusammenarbeit kann man hier meiner Meinung nach nicht sprechen, denn von einer gemeinschaftlichen Arbeit kann wohl keine Rede sein.

[2] Es gibt darueber eine Dokumentation… Ich werde versuchen sie zu finden und zu verlinken.

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