Gleichgültigkeit

Gestern war es eigentlich wie so oft. Der Strom war mal da, mal nicht. An – aus – an – aus – so ging das mehrere Minuten bis das Licht dann ganz ausblieb. Doch etwas hatte sich geändert – ich. Normalerweise regen sich Gefühle in mir wenn der Strom ausfällt: Ich ärge mich, weil ich eigentlich mein Handy aufladen will, ich lache los, weil ich mit einer vollen Ladung Haarwaschmittel im Haar plötzlich im Dunkeln stehe und natürlich freue ich mich, wenn der Strom dann wieder da ist. Gestern war das nicht der Fall – kein einziges Gefühl lies sich blicken. Was soll ich auch machen? Ändern kann ich ja so wie so nichts… Totale Gleichgültigkeit.

Und dann der Schreck. Was wenn ich bei anderen Dingen auch so resigniere und einfach aufgebe? Ist es wahr, dass ich gar nichts tun kann? Theoretisch könnte ich doch wenigstens den Stromanbieter anrufen und fragen was denn los ist. Warum frage ich eigentlich nicht die Regierung wieso sie es bis heute nicht hinbekommen haben ein vernünftiges Stromnetz aufzubauen? Warum eigentlich nicht gleich mit mehreren zusammenschließen und eine Demo für den Ausbau und die Verbesserung des Stromentzes organisieren? Mal ordentlich Krach machen, vielleicht tut sich dann ja was.

Ja, warum eigentlich nicht? Habe ich das Gefühl, dass meine Stimme nicht zählt? Habe ich mich einfach dran gewöhnt, dass es öfter keinen Strom gibt? Ist mir das auf ein mal gleichgültig? Wieso ist mir etwas, das mich selbst direkt betrifft gleichgültig? Hab’ ich sie eigentlich noch alle? Was ist dann erst mit Dingen, die mich nicht dirket betreffen?

Mache ich den Mund auf, wenn ich etwas nicht gut finde und es betrifft mich nicht? Ja, tue ich – aber nur im kleinen Kreis. Warum? Weil mir scheinbar schon Dinge gleichgültig sind, die mich persönlich betreffen, also warum für andere den Mund aufmachen? – Was macht das für einen Menschen aus mir?

Einen unschönen. Einen, der der Gesellschaft nicht gut tut. Und so einer möchte ich nun wirklich nicht sein. Auf keinen Fall! Ich glaube fest daran, dass Dinge im Kleinen beginnen – ja, auch solche Dinge wie Gleichgültigkeit. Bevor das nun also etwas Großes bei mir wird, stampfe ich es lieber schnell wieder ein. Von nun an wird der Mund aufgemacht – und das mit Lautstärke, auch dann wenn es mich nicht betrifft.

Also lieber Stromanbieter, wo ist mein Strom?

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