Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch…

… wünsche ich euch allen von ganzem Herzen! ❤

Weihnachten – Leider kann ich es dieses Jahr wieder nicht mit meiner Familie verbringen. Das ist nun schon das zweite Jahr und ich plane, im nächsten Jahr zu Hause zu sein. Denn ich vermisse es schon sehr die Adventskerzen anzuzünden, Geschenke einzupacken, Kekse zu backen – einfach die Gemütlichkeit, die die Advents- und Weihnachtstage so mit sich bringen. Also bitte esst einen Keks für mich mit, erfreut euch an dem Geglitzer und Leuchten um euch herum und vergesst nicht: Zeit ist das größte und schönste Geschenk, das ihr einem anderen Menschen machen könnt. Also verbringt Zeit mit denen, die ihr liebt und denen, die in dieser Zeit allein sind.

Und nun zum Neujahr – Zeit um das eigene Leben zu reflektieren und sich neue Ziele zu setzen. Eines meiner Ziele für das nächste Jahr ist meinen Blog mit mehr Ernst zu führen. Dazu gehört auch eine Umgestaltung. Ich werde also die Weihnachtstage und die Tage bis 2016 dazu nutzen mir ein neues Konzept für meinen Blog zu überlegen und ihn dementsprechend umgestalten. Ich hoffe, dass im Januar alle, inklusive mir, mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Schöne Weihnachtstage und alles Gute für 2016!

Keiner weiß, was das nächste Jahr bringen wird,
aber wir können uns überlegen, was wir dazu beitragen möchten.

Die Sache mit den Containern

Ich bin kein Fan von “Entwicklungshilfe” [1] in Form von Containern, die irgendwo im globalen Norden mit gebrauchtem Kram gefüllt und dann nach dem Motto “Seht wie toll wir doch sind! Wir schicken unseren alten Kram in ein anderes Land!” in den globalen Süden geschifft werden. Ganz ehrlich, was soll man mit gebrauchtem Kram wie Fahrrädern, die dann nachher nicht mal vernünftig repariert werden können, weil es vor Ort keine Ersatzteile gibt? Aus “Fahrräder fuer *LandimglobalenSüden*” wird dann irgendwann “Ersatzteile für *LandimglobalenSüden*” oder wie? Ich sehe in solchen Aktionen immer die Gefahr das Abhängigkeit von Außenstehenden entsteht und zudem – warum einen eigenen Wirtschaftszweig aufbauen, wenn man mit den subventionierten Preisen von Fahrrädern aus einem anderen Land nicht mithalten kann? Das erinnert mich an das Beispiel der Hühnerfleisch-Industrie in Ghana[2]. Schlechte Ernährungssituation in Ghana, also warum nicht das Hühnerfleisch, das im globalen Norden nicht gegessen wird einfrieren, in einen Conatiner stecken und zu Billigpreisen an die ghanaische Regierung verschärbeln. Alles unter dem Deckmantel der “Entwicklungshilfe”. Resultat: Hühnerfleisch-Industrie in Ghana geht kaputt – denn wer kauft schon noch teures ghanaisches Hühnchen, wenn man billig an Resthähnchen aus dem globalen Norden bekommt? Mal abgesehen davon, dass meist die Lagerung nicht klappt und das Fleisch dadurch Salmonellen verseucht ist… Nun da die Hühnerfleisch-Industrie am Boden ist, leiden natürlich die Hühnerproduzenten und alle die, die Materialien zur Zucht produzieren, beispielsweise Futterlieferanten. Was nun? – Klar, mehr Container! Dieses Mal um den Industriezweig wieder anzukurbeln, aber der Verkauf von unseren Resten wird natürlich nicht gestoppt… Ein Kreislauf der Abhängigkeit. Eigentlich etwas, was in der Entwicklungszusammenarbeit gerade nicht entstehen soll. Hauptaufgabe der Entwicklungszusammenarbeit ist es, sich selbst überflüssig zu machen. Meiner Meinung nach geschieht dies nicht indem wir wieder und wieder Dinge – die wir nicht mehr brauchen/wollen-  in den globalen Süden schicken, sondern indem wir aktiv Unabhängigkeit, Solidarität und eigenen Aufbau von Wirtschaftszweigen unterstützen. Ich denke, dass das Geld, das für die Logistik und den Transport solcher Container verbraten wird, wesentlich besser eingesetzt werden könnte.

Eine Ausnahme mache ich – Disaster Management. Hier sind Container meist die einzige Möglichkeit der Versorgung, aber auch hier sollte der Inhalt möglichst im Land oder zumindest in umliegenden Ländern gekauft werden und nicht nur aus unserem alten, ungewollten Kram bestehen.

[1] Von Entwicklungszusammenarbeit kann man hier meiner Meinung nach nicht sprechen, denn von einer gemeinschaftlichen Arbeit kann wohl keine Rede sein.

[2] Es gibt darueber eine Dokumentation… Ich werde versuchen sie zu finden und zu verlinken.

Gleichgültigkeit

Gestern war es eigentlich wie so oft. Der Strom war mal da, mal nicht. An – aus – an – aus – so ging das mehrere Minuten bis das Licht dann ganz ausblieb. Doch etwas hatte sich geändert – ich. Normalerweise regen sich Gefühle in mir wenn der Strom ausfällt: Ich ärge mich, weil ich eigentlich mein Handy aufladen will, ich lache los, weil ich mit einer vollen Ladung Haarwaschmittel im Haar plötzlich im Dunkeln stehe und natürlich freue ich mich, wenn der Strom dann wieder da ist. Gestern war das nicht der Fall – kein einziges Gefühl lies sich blicken. Was soll ich auch machen? Ändern kann ich ja so wie so nichts… Totale Gleichgültigkeit.

Und dann der Schreck. Was wenn ich bei anderen Dingen auch so resigniere und einfach aufgebe? Ist es wahr, dass ich gar nichts tun kann? Theoretisch könnte ich doch wenigstens den Stromanbieter anrufen und fragen was denn los ist. Warum frage ich eigentlich nicht die Regierung wieso sie es bis heute nicht hinbekommen haben ein vernünftiges Stromnetz aufzubauen? Warum eigentlich nicht gleich mit mehreren zusammenschließen und eine Demo für den Ausbau und die Verbesserung des Stromentzes organisieren? Mal ordentlich Krach machen, vielleicht tut sich dann ja was.

Ja, warum eigentlich nicht? Habe ich das Gefühl, dass meine Stimme nicht zählt? Habe ich mich einfach dran gewöhnt, dass es öfter keinen Strom gibt? Ist mir das auf ein mal gleichgültig? Wieso ist mir etwas, das mich selbst direkt betrifft gleichgültig? Hab’ ich sie eigentlich noch alle? Was ist dann erst mit Dingen, die mich nicht dirket betreffen?

Mache ich den Mund auf, wenn ich etwas nicht gut finde und es betrifft mich nicht? Ja, tue ich – aber nur im kleinen Kreis. Warum? Weil mir scheinbar schon Dinge gleichgültig sind, die mich persönlich betreffen, also warum für andere den Mund aufmachen? – Was macht das für einen Menschen aus mir?

Einen unschönen. Einen, der der Gesellschaft nicht gut tut. Und so einer möchte ich nun wirklich nicht sein. Auf keinen Fall! Ich glaube fest daran, dass Dinge im Kleinen beginnen – ja, auch solche Dinge wie Gleichgültigkeit. Bevor das nun also etwas Großes bei mir wird, stampfe ich es lieber schnell wieder ein. Von nun an wird der Mund aufgemacht – und das mit Lautstärke, auch dann wenn es mich nicht betrifft.

Also lieber Stromanbieter, wo ist mein Strom?

El Niño in Karamoja

Es ist kalt, es regnet ständig und alles ist grau. Klingt eher nach London als nach Moroto in Karamoja. Einer Region in Uganda, die regelmäßig als Halbwüste beschrieben wird. Der Grund, warum sich das Wetter so verändert hat ist ‘El Niño’ – ein Wetterphänomen, dass etwa alle 2-7 Jahre auftritt und durch den Klimawandel verstärkt wird. In einigen Regionen führt das zu großer Dürre, in anderen zu Überschwemmungen.

Karamoja scheint dieses Mal Glück zu haben – zu mindest größtenteils. Hier und da gibt es kleinere Überschwemmungen, aber bisher hat es sich in Grenzen gehalten. Insgesamt kann ‘El Niño’ für die Menschen vor Ort sogar hilfreich sein.

Denn, durch den Klimawandel haben sich die Regenzeiten verschoben. Als ich im August nach Deutschland geflogen bin, hatte es in diesem Jahr bisher kaum geregnet. Eine Katastrophe für die Landwirtschaft vor Ort, speziell für Kleinbauern. Bereits Ende 2014 war klar, dass Nahrungsmittel ab Anfang 2015 knapp werden. Man hatte gehofft, dass die kleine Regenzeit im März/April das wieder auffangen würde. – Doch der Regen blieb aus.

Nun hoffen hier alle, dass die Menschen in Karamoja die Chance die ihnen der ‘El Niño’-Regen bietet, nutzen und zumindest solche Dinge anpflanzen, die in kurzer Zeit wachsen und reif werden. Es gibt einige Getreidearten die schnell wachsen und auch gerade die lokalen Nahrungsmittelpflanzen bringen schnell Erträge. Die Regenfälle sollen angeblich noch bis Februar anhalten und ich hoffe, dass das die Nahrungsmittelsituation vor Ort entschärft.

Übrigens, die traditionelle Lebenshaltungsform des Pastoralismus hat sich mal wieder bewiesen. Die Tiere hier sind an das Wetter angepasst und kommen mit sehr sehr wenig Wasser aus. Viele Familien die Tiere haben, kommen dementsprechend besser durch Dürreperioden – sie haben nicht nur die Möglichkeit die Milch und das Fleisch ihrer Tiere zu nutzen, sie können natürlich auch Nachzuchten oder Alttiere verkaufen um sich auf dem Markt Mais und Bohnen zu besorgen.

Leider sehen viele hier in Uganda Pastoralismus als nicht-entwickelt an – meiner Meinung nach ist Pastoralismus höchstangepasst an die ländliche Umgebung und die Möglichkeiten, die diese bietet. Den Versuch, pastoralistische Gesellschaften vollständig auf Landwirtschaft umzustellen, sehe ich sehr kritisch. Insgesamt scheint eine Kombination aus Pastoralismus und Landwirtschaft die beste Strategie zu sein um die Nahrungsmittelsicherheit in Karamoja zu erhöhen.

… Jetzt müssen wir nur noch den Klimawandel in den Griff bekommen und alles wird gut.

Zurück in Moroto

Es ist schon komisch – da bin ich doch glatt (seit mehr als einem Monat 😉 ) zurück. Mein weltwärts-Dienst liegt hinter mir und nach einer zwei monatigen ‘Pause’ bin ich wieder in Moroto. Diesmal arbeite ich direkt mit der Welthungerhilfe zusammen. Ich erarbeite eine WASH-Kampange (WASH= water, sanitation and hygiene) mit Fokus auf Latrinen-Nutzung.

Vieles hat sich in meiner Abwesenheit verändert, ein ganzes Stück Strasse ist plötzlich da, es gibt einen Supermarkt in dem man Shampoo kaufen kann (Shampoo!!!) und es gibt jetzt durchgehend Paprika und Möhren auf dem Markt – auch super!

Anderes ist gleichgeblieben – meine neue Wohnung ist nur ein paar Zimmer von meiner alten entfernt, meine Freunde haben sich auch kaum verändert…

Und trotzdem… Zurückzukehren ist eine emotionale Sache, besonders wenn es wieder nur ewas Temporäres ist. Seit Beginn 2013 bin ich ziemlich oft umgezogen. Von meinem Studienort nach Haus (1), von dort zu Familienmitgliedern (2), dann wieder nach Hause (3), Umzug nach Uganda (4), Umzug innerhalb Ugandas (5), weiterer Umzug innerhalb Ugandas (6), Umzug nach Deutschland in ein neues Zuhause (7), zurück nach Uganda in eine temporäre Unterkunft (8) und dann Umzug innerhalb Ugandas in Unterkunft für sechs Monate (9). Im April geht es dann wieder in eine neues Zuhause in Deutschland und von dort wird dann wieder umgezogen, wohin – mal schauen. So langsam wird es ein bisschen viel. Immer wieder rausgerissen und in etwas Neues hineingeworfen zu werden ist auf die Dauer anstrengend. Eine Konstante wäre zur Abwechslung auch mal schön… Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich noch nicht fertig bin. Noch nicht fertig mit den kurzfristigen Auslandsaufenthalten, noch nicht fertig mit dem intensiven Lernprozess den ich seit Ende 2012 durchlaufe. Irgendetwas wartet noch auf mich und ich bin gespannt was das ist.