Manyatta? Was ist das denn?

Eine Manyatta ist vergleichbar mit einem Wohngebiet, aber irgendwie auch wieder nicht. Hier erst mal ein Bild, wie eine Manyatta normalerweise aufgebaut ist oder aufgebaut sein sollte:

Manyatta[1]

Zur Sicherheit gibt es zwei Zaeune, einen inneren und einen aeusseren, der meist dicker ist als der innere. Sicherheit wird gross geschrieben, da es hier vor einigen Jahren noch Krieg und Ueberfaelle zwischen verschiedenen Staemmen gab. Dabei ging und geht es auch heute noch um das Vieh. Dies ist das wertvollste Gut, das ein Pastoralist besitz und somit wird es am sichersten Ort in der Manyatta untergebracht – in der Mitte. Sogenannte kraals (lokaler Viehstall) gibt es auch mitten im Nichts ohne eine Manyatta drumherum und nur mit Huetten fuer die Hirten – dort wird der groesste Teil des Viehs untergebracht, mehrere Tausend kann man dort finden. In den Manyattas steht nur ein kleiner Teil des Viehbestandes – vielleicht mehrere hundert Tiere oder weniger. Sollte die Manyatta ueberfallen werden und einer der Ausgaenge ist blockiert, kann das Vieh ueber den zweiten Ein-/Ausgang in Sicherheit gebracht werden.

DSC04544

Aus Sicherheitsgruenden sind die Eingaenge zu den Grundstuecken (Compounds) innerhalb der Manyatta winzig. Man muss sich buecken oder kriechen um hinein zu gelangen und macht sich dabei natuerlich sehr verletzlich, was es den Bewohnern erleichtert, einen am Eindringen zu hinder. Der Eingang im Bild ist an sich noch relativ gross; es gab schon einige, bei denen ich ernsthaft gezweifelt habe, ob ich ueberhaupt durchpassen wuerde. Durch einen musste ich fast seitlich liegend robben um ins Innere zu gelangen.

DSC04545
Die Frauen sind fuer das Bauen der Haueser zustaendig.

Die Haeuser sind semi-permanent, sie sind nicht dazu gemacht um ewig zu halten (Warum, kannst du hier nachlesen…). Sie bestehen aus Stoeckern, die verbunden und mit einem Gemisch aus Sand/Lehm, Wasser und Dung verputzt werden. Die Daecher werden aus Stoeckern geformt, die mit Grasbuendeln bedeckt werden. Durch die Materialien und die Konstruktionsweise bleibt es in den Huetten relativ kuehl und das Dach schluckt das Regengeraeusch der heftigen Regenfaelle waehrend der Regenzeit.

Wasser bekommen die Bewohner der Manyatta von Bohrbrunnen, die sich so gut wie immer ausserhalb der Manyatta befinden. Wenn es keinen Bohrbrunnen gibt, wird meist der naechste Flussaufgesucht um Wasser in 20 Liter Kanistern nach Hause zu bringen. Je nach Entfernung der Wasserstelle kann dies mehrere Stunden in Anspruch nehmen. An sich holen nur Frauen und Kinder Wasser. Sie sind ebenfalls fuer die Kuechengaerten zustaendig.

Kinder schlafen ab einem gewissen Alter nicht mehr bei den Eltern – die Rundhuetten bestehen nur aus einem Zimmer. Somit bekommen die Kinder meist ihre eigene kleine Huette. Viele sind eh ab einem sehr jungen Alter eh hauptsaechlich auf sich alleingestellt, da die Muetter meist den ganzen Tag mit Wasser holen, Feuerholz beschaffung, waschen, kochen und was sonst noch beschaeftigt sind. All diese Dinge kosten unglaublich viel Zeit und lassen wenig fuer die Kinder. Viele Frauen sind auch einfach noch sehr jung und masslos mit der ganzen Arbeit und den Kindern ueberfordert. Sie erfahren kaum Unterstuetzung und werden oft mit allem allein gelassen.

Das „big girl“ lebt ebenfalls in einer eignen Huette, sie ist verheiratet hat Kinder oder nicht, aber der Ehemann hat noch keine Aussteuer bezahlt. Diese besteht aus Tieren, Geld und Lebensmitteln, wie Zucker und soll eine Aufwandsentschaedigung fuer die Arbeitskraft der Tochter sein, die der Familie durch die Ehe und das daraus resultierende Wegziehen von der Famile verloren geht.

DSC04497
Schlafender Karimajong unter einem Baum.

Einige Compounds haben Huehnerstelle und Lagerplaetze fuer Ernte, beziehungsweise Saatgut. Baeume und Schattenplaetze sind beliebte Treffpunkte und dienen am Tag auch als Schlafplaetze fuer Maenner. Einige der Baeume koennen in sehr trockenen Zeiten auch als Futterlieferant fuer Ziegen dienen, die die Blaetter und Rinde fressen.

Natuerlich hat nicht jede Manyatta Latrinen – oeffentliches Defaekieren ist in dieser Region noch etwas alltaegliches. Viele Manyattas brauchen Unterstuetzung beim Bau solcher sanitaeren Einrichtungen, da allein der Sockel, der aus Zement und einem Loch besteht, bereits etwa 10 Euro kostet. Viele Bewohner in den Manyattas leben allein von dem, was sie anbauen. Andere koennen sich etwas dazu verdienen, indem sie Fahrraeder reparieren, Schuhe herstellen oder Kleinigkeiten verkaufen. Da sind 10 Euro einfach zu viel.

Zum Abschluss dieses posts wie immer der Hinweis, dass das weltwaert-Programm auf Spenden basiert – wie du Spenden kannst erfaehrst du hier… Und noch ein Blick aus der Ferne…

DSC04525
Ein bisschen versteckt – zwei Manyattas nebeneinander.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s