Manyatta? Was ist das denn?

Eine Manyatta ist vergleichbar mit einem Wohngebiet, aber irgendwie auch wieder nicht. Hier erst mal ein Bild, wie eine Manyatta normalerweise aufgebaut ist oder aufgebaut sein sollte:

Manyatta[1]

Zur Sicherheit gibt es zwei Zaeune, einen inneren und einen aeusseren, der meist dicker ist als der innere. Sicherheit wird gross geschrieben, da es hier vor einigen Jahren noch Krieg und Ueberfaelle zwischen verschiedenen Staemmen gab. Dabei ging und geht es auch heute noch um das Vieh. Dies ist das wertvollste Gut, das ein Pastoralist besitz und somit wird es am sichersten Ort in der Manyatta untergebracht – in der Mitte. Sogenannte kraals (lokaler Viehstall) gibt es auch mitten im Nichts ohne eine Manyatta drumherum und nur mit Huetten fuer die Hirten – dort wird der groesste Teil des Viehs untergebracht, mehrere Tausend kann man dort finden. In den Manyattas steht nur ein kleiner Teil des Viehbestandes – vielleicht mehrere hundert Tiere oder weniger. Sollte die Manyatta ueberfallen werden und einer der Ausgaenge ist blockiert, kann das Vieh ueber den zweiten Ein-/Ausgang in Sicherheit gebracht werden.

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Aus Sicherheitsgruenden sind die Eingaenge zu den Grundstuecken (Compounds) innerhalb der Manyatta winzig. Man muss sich buecken oder kriechen um hinein zu gelangen und macht sich dabei natuerlich sehr verletzlich, was es den Bewohnern erleichtert, einen am Eindringen zu hinder. Der Eingang im Bild ist an sich noch relativ gross; es gab schon einige, bei denen ich ernsthaft gezweifelt habe, ob ich ueberhaupt durchpassen wuerde. Durch einen musste ich fast seitlich liegend robben um ins Innere zu gelangen.

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Die Frauen sind fuer das Bauen der Haueser zustaendig.

Die Haeuser sind semi-permanent, sie sind nicht dazu gemacht um ewig zu halten (Warum, kannst du hier nachlesen…). Sie bestehen aus Stoeckern, die verbunden und mit einem Gemisch aus Sand/Lehm, Wasser und Dung verputzt werden. Die Daecher werden aus Stoeckern geformt, die mit Grasbuendeln bedeckt werden. Durch die Materialien und die Konstruktionsweise bleibt es in den Huetten relativ kuehl und das Dach schluckt das Regengeraeusch der heftigen Regenfaelle waehrend der Regenzeit.

Wasser bekommen die Bewohner der Manyatta von Bohrbrunnen, die sich so gut wie immer ausserhalb der Manyatta befinden. Wenn es keinen Bohrbrunnen gibt, wird meist der naechste Flussaufgesucht um Wasser in 20 Liter Kanistern nach Hause zu bringen. Je nach Entfernung der Wasserstelle kann dies mehrere Stunden in Anspruch nehmen. An sich holen nur Frauen und Kinder Wasser. Sie sind ebenfalls fuer die Kuechengaerten zustaendig.

Kinder schlafen ab einem gewissen Alter nicht mehr bei den Eltern – die Rundhuetten bestehen nur aus einem Zimmer. Somit bekommen die Kinder meist ihre eigene kleine Huette. Viele sind eh ab einem sehr jungen Alter eh hauptsaechlich auf sich alleingestellt, da die Muetter meist den ganzen Tag mit Wasser holen, Feuerholz beschaffung, waschen, kochen und was sonst noch beschaeftigt sind. All diese Dinge kosten unglaublich viel Zeit und lassen wenig fuer die Kinder. Viele Frauen sind auch einfach noch sehr jung und masslos mit der ganzen Arbeit und den Kindern ueberfordert. Sie erfahren kaum Unterstuetzung und werden oft mit allem allein gelassen.

Das „big girl“ lebt ebenfalls in einer eignen Huette, sie ist verheiratet hat Kinder oder nicht, aber der Ehemann hat noch keine Aussteuer bezahlt. Diese besteht aus Tieren, Geld und Lebensmitteln, wie Zucker und soll eine Aufwandsentschaedigung fuer die Arbeitskraft der Tochter sein, die der Familie durch die Ehe und das daraus resultierende Wegziehen von der Famile verloren geht.

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Schlafender Karimajong unter einem Baum.

Einige Compounds haben Huehnerstelle und Lagerplaetze fuer Ernte, beziehungsweise Saatgut. Baeume und Schattenplaetze sind beliebte Treffpunkte und dienen am Tag auch als Schlafplaetze fuer Maenner. Einige der Baeume koennen in sehr trockenen Zeiten auch als Futterlieferant fuer Ziegen dienen, die die Blaetter und Rinde fressen.

Natuerlich hat nicht jede Manyatta Latrinen – oeffentliches Defaekieren ist in dieser Region noch etwas alltaegliches. Viele Manyattas brauchen Unterstuetzung beim Bau solcher sanitaeren Einrichtungen, da allein der Sockel, der aus Zement und einem Loch besteht, bereits etwa 10 Euro kostet. Viele Bewohner in den Manyattas leben allein von dem, was sie anbauen. Andere koennen sich etwas dazu verdienen, indem sie Fahrraeder reparieren, Schuhe herstellen oder Kleinigkeiten verkaufen. Da sind 10 Euro einfach zu viel.

Zum Abschluss dieses posts wie immer der Hinweis, dass das weltwaert-Programm auf Spenden basiert – wie du Spenden kannst erfaehrst du hier… Und noch ein Blick aus der Ferne…

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Ein bisschen versteckt – zwei Manyattas nebeneinander.

Karamoja – einige ‚Fakten‘

Allgemeines

Karamoja ist eine Region im Nordosten Ugandas und grenzt sowohl an Kenia als auch Südsudan. Die Region umfasst etwa 27.000 Quadratkilometer und beherbergt 1,2 Millionen Menschen.

Karamoja setzt sich aus sieben Dirstikten zusammen: Kaabong, Kotido, Abim, Napak, Moroto, Nakapiriprit und Amudat. Die Einwohner heißen Karimojong und sprechen Ngakarimajong, aber auch Kiswahili ist weitverbreitet. Die Karimojong setzten sich aus verschiedenen Stämmen zusammen, die Mehrheitlich in bestimmten Distrikten leben.

  • Kaabong: Dodoth
  • Kotido: Jie
  • Abim: Labwor
  • Napak: Bokora
  • Moroto: Matheniko
  • Nakapiriprit: Pian
  • Amudat: Pokot

Zur Vereinfachung enthält die Auflistung nur die größten Stämme, es gibt allerdings auch noch Minoritäten wie Ik, Tepeth, die unter anderem eigene Sprachen haben, und andere. Zudem kommen viele Turkana aus Kenia nach Karamoja. Sie teilen nicht nur die gleiche Sprach-, sondern auch Lebensgrundlage mit den Karimojong

 

Geographie

Karamoja besteht hauptsächlich aus Savanne, daneben wird die Landschaft durch Berge, wie Mt. Kadam, Mt. Napak und Mt. Moroto, geprägt. Es gibt zwei Regen- und Trockenzeiten, die auf Grund des Klimawandels nicht mehr genau vorherbestimmbar sind, aber ungefähr zwischen März-Mai/Juni und September-November sollte es regnen. Tagsüber können die Temperaturen auf bis zu 40 Grad Celcius ansteigen und gegen Abend um mehr als 15 Grad fallen. Während der Regenzeit ist es am Tag mit 25-30 Grad deutlich kühler. Auf Grund der hohen Temperaturen und der geringen Niederschlagsmenge wachsen hauptsächlich Dornenbüsche in der Region, Gras ist saisonal und die Bäume bleiben meist klein. Dafür gibt es viele Aloe Vera Pflanzen und große Kakteen.

 

Lebensgrundlage

Auf Grund der klimatischen Verhältnisse handelt es sich bei den Karimojong in den ländlichen Regionen hauptsächlich um seminomadische Pastoralist oder auch Agro-Pastoralists. Ausschließlich die (jungen) Männer hüten das Vieh. Damit es genügend Futter und Wasser bekommt, müssen sie manchmal Tage und Wochen ihre Tiere durch die Savanne begleiten. Frauen, Kinder und ältere Menschen bleiben meist für mehrere Jahre an einem Ort, an welchem dann auf kleinen Flächen Nahrungsmittel angebaut werden.

 

Entwicklungspolitische Themen in der Region

  • land grabbing
  • Ernährungssicherheit
  • WASH (Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene)
  • Bildung
  • Management natürlicher Ressourcen
  • Friedensbildung
  • und weitere

Wie man sich am besten seine Sachen klauen laesst

(English Version at the end of the German one)

Kurzfassung: Verlasse das Zimmer und lass deine Sachen drin. – Tatsaechlich war es so einfach oder eher gesagt haben wir es dem Dieb so einfach gemacht. Aber erstmal zum Anfang der Geschichte:

Nach unserem Zwischenseminar in Entebbe, bin ich mit einigen der anderen Freiwilligen nach Fort Portal gefahren. Einer der Freiwilligen blieb noch in Kampala und so konnte ich in seinem Zimmer uebernachten. Die WHH hat zurzeit 7 Freiwillige in Fort Portal, die in einiger Entfernung voneinander zwei Haeuser bewohnen. An einem der Abende bin ich kurz nach 20 Uhr zu einer Freiwilligen ins Zimmer um Filme auszutauschen und einfach ein bisschen zu reden – das Ganze hat vielleicht 20min gedauert und sie ist zwischendrin sogar noch ins Badezimmer gegangen, das direkt neben dem Zimmer liegt, in dem ich geschlafen habe. Innerhalb dieser 20min ist jemand ins Haus gekommen und hat beinahe alle meine elektronischen Geraete (Handy, Laptop, Kamera, MP3- Plyer…) aus dem Zimmer gestohlen.

Was haben wir falsch gemacht?

  1. Das Tor war nicht verschlossen. (Die meisten alleinstehenden Haeuser in Uganda sind umzaeunt.)
  2. Die Tuer zur Terasse war nicht verschlossen. (Ok, ernsthaft bloed…)
  3. Wir haben uns in Zimmern mit geschlossenen Tueren aufgehalten – trotz Punkt 1 und 2.

Was haben wir richtig gemacht?

  1. Das Licht war an. (Typische Sicherheitsmassnahme hier – wenn Strom da ist brennt immer irgendwo ein „security light“)
  2. Die Vorhaenge in dem Zimmer in dem ich geschlafen habe waren zu.
  3. Meine Wertgegenstaende lagen nicht offen herum, sondern ich hatte sie extra abgedeckt.

Im Nachhinein haben wir uns gedacht, dass es vermutlich jemand war, der bereits vorher mal im Haus gewesen ist. Denn meine Handtasche wurde noch im Haus geoeffnet, durchsucht und danach sogar der Reissverschluss verschlossen. Wir vermuten, dass der Dieb, nachdem die andere Freiwillige zur Toilette gegangen ist, meinen Rucksack mit nach draussen genommen hat um ihn dort zu durchsuchen. Am naechsten Morgen haben wir den geoffneten Rucksack hinterm Haus gefunden – natuerlich hatte es nachts geregnet aber gluecklicherweise konnte alles wieder getrocknet werden.

Ich bin nicht die einzige Freiwillige aus unserer Gruppe, der etwas gestohlen wurde. Bereits waehrend des Ankunftsseminars ist einer anderen Freiwilligen auf einem Markt in Kampala eine Kette vom Hals gerissen und einer weiteren sind bereits zwei Telefone gestohlen worden.

Als ich bitterlich weinend meine Mama angerufen und ihr von dem Diebstahl erzaehlt habe (Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass mein gesamter Rucksack weg waere…), hat sie nur gesagt: „Wer macht denn so was? Komm nach Hause!“ Ich glaube aber, dass einem genau das auch in Deutschland passieren kann. Da hat vielleicht ein Bekannter oder der Freund/Freundin eines Mitbewohners ein Problem von dem man nichts weiss (Schulden, Drogen etc.) und zack sind Handy, Laptop etc. verschwunden. Man darf auch nicht vergessen, dass hier die Armut einfach groesser ist. Selbst ein Grossteil der Menschen die Arbeiten kommen mit ihrem Verdienst kaum ueber die Runden und wenn die Not gross ist – egal in welchem Land -, dann beschafft man sich halt auf irgendeine Weise das was man braucht.

Ich bin immer noch furchtbar traurig ueber den Verlust meiner Sachen, wobei es mir eher um die ganzen Bilder und Dateien geht die ich verloren habe, als um die Gegenstaende selbst. Trauriger macht mich nur die Tatsache, dass jemand das Gefuehlt hatte, er/sie haette keine andere Wahl.

Alles in allem bin ich nur froh, dass niemand verletzt worden ist. Stellt euch vor, die andere Freiwillige waere im Flur auf den Dieb getroffen… Was dann haette passieren koennen moechte ich mir erst gar nicht vorstellen. Vielleicht hatte dieser Vorfall auch etwas Gutes bewirkt, in dem er uns allen bewusst gemacht hat, dass wir mehr auf unsere Sicherheit bedacht sein muessen und so noch ein bisschen vorsichtiger sind.

Am Ende dieses Berichtes moechte ich mich ganz herzlich bedanken bei:

  • dem Ansprechpartner der Freiwilligen in Fort Portal, der innerhalb weniger Minuten da war, mich zur Polizei begleitet und mir sehr viel Trost zugesprochen hat.
  • unserer Programm Koordinatorin, die nicht nur unmittelbar erreichbar war, sondern auch noch mehrere Stunden mit mir in Kampala im MTN-Shop verbracht und mich wieder richtig aufgebaut hat.
  • allen meinen Mitfreiwilligen fuer den schoenen Abend mit Stockbrot – Ich glaub ich war an dem Abend nicht so nett, was mir immer noch schrecklich leid tut… – und die emotionale Unterstuetzung
  • Sophie, Alina, Alena und Johannes, die mich mit ihrer netten Geste beinahe dazu gebracht haben im Bus zu weinen
  • und ganz besonders bei Alex, der die Tage nach dem Diebstahl nicht nur auf mich aufgepasst und mir einen Unterschlupf gegeben hat, sondern auch noch mit mir Babyklamotten* shoppen war und stundenlang mit mir gequatscht hat – danke Digga.

Und am Schluss wie immer der Hinweis, dass man Spenden kann – nein, nicht damit ich mir eine neue Kamera oder aehnliches kaufen kann, sondern damit junge Menschen wie ich sich weiterhin im Rahmen des weltwaerts Programms die Sachen klauen lassen und damit fuer’s Leben lernen koennen. 😉

* Ich bin NICHT schwanger, die waren fuer die Nichte eines Freundes.

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How to get your things stolen the easy way

 

In short: Leave the room but leave your things inside. That’s how easy it is or, more precisely, how easy we made it for the thief. But let’s start with the story first.

After our mid-term seminar in Entebbe, I left for Fort Portal with some of the other volunteers. One stayed behind to enjoy a few more days in Kampala and offered me his room to sleep in. Currently, WHH has seven volunteers in Fort Portal where they live in two houses. So on one evening, I spend some time with another volunteer in her room. We exchanged movies and had a little chat, maybe for 20 minutes or so. In between, she even went to the bathroom which is directly next to the room I slept in. Within those 20 minutes, someone entered the house and stole nearly all my electric devices (mobile phone, laptop, camera).

What did we do wrong?

  1. The gate wasn’t locked. (Most single-standing brick houses in Uganda are fenced.)
  2. The door that leads to the porch wasn’t locked. (Yh, that was not really smart…)
  3. We closed the doors of the rooms we were in – despite 1 and 2.

What did we do right?

  1. We had lights on. (Typical security measure here, if there’s power at least one security light is on.)
  2. The curtains of the room that had all my stuff in it were closed.
  3. All my valuables were covered and were not lying around openly displayed.

Afterwards, we all thought it had to be someone who has been in the house before. Especially since my purse was opened, searched, closed and left behind inside the house, even inside the room… We suspect that the thief took my backpack outside and searched it while still being on the property after the other volunteer went to the bathroom. We found it wide open the next morning behind the house – of course it had rained throughout the night but luckily everything was still ok after drying.

I am not the only volunteer out of my group that had some of her things stolen. During our arrival workshop in Kampala, one volunteer had her necklace ripped off by someone while visiting a market and another one got two of her phones stolen.

When I called my mum to tell her about the theft, she said: “Who does that?! Just come home!” But I honestly believe that the exact same thing can also happen to you in Germany. Maybe one of the people you know or one of your flat mates friends has a problem that you don’t know anything about (depts, drugs etc.) and baaam – phone, laptop etc. are gone. In Uganda, more people live in extreme poverty than in Germany. Even people who have a job sometimes struggle to get by and where there’s a lot of need – no matter in which country – you do what you feel like you have to do to get by.

I am still deeply sad about the fact that my things are gone, but more so about all the files and pictures I lost than about the devices themselves. The only thing that saddens me more is just knowing that someone felt like they had no other choice.

All in all, I am just endlessly grateful that no one got hurt. Just imagine the other volunteer running into the thief in the hallway… What could have happened, I don’t even want to picture. Maybe this incident also has its good side by showing all of us that we have to think a bit more about our security and be more careful than before.

I would like to finish this post by thanking the following people:

  • the contact person of the volunteers in Fort Portal who was there in a few minutes, accompanied me to the police and really helped me
  • our Programme Coordinator in Kampala, who wasn’t only immediately reachable but also spend some good hours with me in the MTN store in Kampala and really build me up again
  • all of my fellow volunteers for the nice evening with the bread from the bonfire – I guess I wasn’t in the best mood that evening and I’m still sorry for that… – and the emotional support.
  • Sophie, Alina, Alena and Johannes who nearly made me cry in a bus because of their kind gesture
  • and most especially Alex, who protected me the days after the theft and not only gave me a safe place to sleep but also went baby clothing* shopping with me and talked to me for hours – thank you!

* I am NOT pregnant, those were for a friend’s niece. 😉