Karamoja hustet…

… und ich gleich mit. Mittlerweile bin ich seit etwas mehr als zwei Wochen krank, es war nichts Schlimmes, nur eine leichte Mandelentzündung mit dicker Erkältung und dann kam Husten, der sich hartnäckig hält. Insbesondere in Lotome hat man das Gefuehl, dass jeder zweite hustet und zwar weil die Trockenzeit angefangen hat. Schon der Wind wirbelt sehr viel Staub auf und dazu kommen noch die Fahrzeuge, speziell die Trucks. Gerade durch Lotome fahren viele LKWs, meist von NGOs mit Hilfsgütern oder mit Baumaterial für den Straßenbau. Als ich krank wurde und die ersten Symptome einer Erkältung gespürt habe, dachte ich natürlich als erstes daran, dass ich irgendwann zu kalt geworden bin, denn nachts kann es hier ganz schön kalt werden. Vermutlich sind es meist immer noch um 20 Grad, aber wenn man tagsüber 35 Grad und mehr hat, dann ist das ziemlich kalt. Doch dann wurde mir von Kollegen und Freunden vor Ort gesagt, dass häufig Grippe- und Erkältungssymptome durch den eingeatmeten Staub auftreten können. Wenn ich auf den Husten angesprochen werde, wird meistens gesagt: „Oh, you’ve got Karamoja cough!“

Medizinische Versorgung

Es gibt die Besonderheit, dass es hier in Karamoja keine spezialisierten Artzpraxen gibt, wie beispielsweise eine Hautarztpraxis. Wenn man zum Arzt muss, fährt man ins Krankenhaus. In größeren Krankenhäusern findet man dann auch Spezialisten, wie Augenärzte, Chirurgen etc. In den kleineren trifft man auf Allgemeinmediziner.
Es gibt hier auch unterschiedliche Arten von Krankenhäusern, öffentliche und private. Private sind teilweise besser ausgestattet und haben besseres Personal, allerdings bezahlt man das dann auch. Die private Klinik in Kampala in der ich behandelt wurde, hat schon bevor ich überhaupt einen Arzt gesehen habe 25000 ugandische Schilling (etw. 7,35 Euro) für die Aufnahme verlangt. Für meinen letzten „Krankenhausbesuch“ hier in Moroto in einer privaten Klinik habe ich inklusive Arztgespräch und Medikamenten nur 15000  ugandische Schilling (etw. 4,40 Euro) bezahlt. Trotzdem ist das immer noch sehr viel, wenn man bedenkt, dass das Durchschnittseinkommen in Ugande bei etwa 0,80 Cent am Tag liegt. Aus diesem Grund gibt es an vielen Stellen auch kostenlose ärtzliche Betreuung. Das Health Center in Lotome, der kleine Ort in dem ich lebe, bietet diese beispielsweise an. Unter anderem kann man dort kostenlose Malaria-Tests machen und bekommt gratis Kondome.

Bilder

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Trucks auf der Straße Richtung Moroto
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Truck mit Staubwolke

(Entschuldigt bitte die Qualität der Bilder, aber bessere hochzuladen dauert einfach zu lange.)

Wer gerne meinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst durch Spenden unterstützen möchte, findet alle Informationen hier…

Wasser – mal viel mal wenig

Da ich meinen Blog gerne moeglichst informativ halten moechte, habe ich beschlossen, ihn nicht als Tagebuch zu nutzen, sondern mir Themen herauszusuchen und darueber genauer zu berichten. Heute wuerde ich gerne auf die Wasserversorgung und das Thema Wasser im Allgemeinen eingehen.

Wasser ist in der Region in der ich zur Zeit lebe, ein grosses Thema. Karamoja liegt im Nordosten von Uganda und ist gepraegt von nur zwei Jahreszeiten – der Regenzeit und der Trockenzeit. Im Moment befinden wir uns in der Regenzeit. Das bedeutet, dass es in Lotome (Napak) mehrmals woechentlich regnet; allerdings kann es auch vorkommen, dass es in einigen Ecken in Karamoja so gut wie gar nicht regnet. Im September/Oktober nimmt der Regen langsam ab und die Trockenzeit beginnt im Dezember. Ab da regnet es so gut wie gar nicht mehr, es wird heiss und trocken.

Welche Auswirkungen hat das auf das Leben hier?

Man erkennt ganz eindeutig einen Unterscheid in der Viehhaltung. Hier legen die Tiere zusammen mit ihren Hirten jeden Tag zum Grasen teilweise kilometerweite Strecken zurueck. Auch Obst- und Gemuese-, sowie Getreideanbau gestalten sich auf Grund des Wetters schwierig. Es kann passieren, dass eine ganze Ernte durch die Sonne verbrennt oder durch den Regen zerschlagen wird. Dies kann zu gravierenden Engpaessen in der Nahrungsmittelversorgung fuehren.

Zudem gibt es in Teilen der Region kein fliessendes Wasser. Zurzeit bin ich in Moroto, hier gibt es ein Wassernetz, an das aber auch nicht jeder Bewohner angeschlossen ist. In Lotome gibt es noch keins. Wenn man dort fliessendes Wasser hat, dann kommt dieses aus einem Wassertank und den haben nur ganz wenige. Das bedeutet natuerlich auch, dass jeder Tropfen Wasser den man benoetigt, geholt werden muss und das ist wirklich harte Arbeit. Wir, meine Mitfreiwillige und ich, sind klaeglich an dem Versuch, unsere zwei vollen 20 Liter Kanister zu unserer Unterkunft zu bringen gescheitert. Klar, 20 Liter mit einer Hand zu tragen, ist fuer nicht trainierte auch wirklich nicht einfach. Anders waere es, wenn wir die 20 Liter auf unserem Kopf transportieren koennten, aber ich habe schon mit 5 Liter auf dem Kopf so meine Probleme und werde mich vielleicht naechste Woche erst mal an 10 Liter versuchen. Denn mit den 10-25 Liter (5-12,5 Liter pro Person und Tag) die wir so holen, kommen wir absolut nicht hin. Gluecklicherweise helfen uns immer wieder Anwohner beim Wasserholen. Es ist auch immer ein grosser Spass fuer alle Zuschauer, wenn wir zwei weissen Maedels mit unseren kleinen 5 Liter Kanistern am borehole ankommen. Die Kinder lachen sich schlapp und wenn ich an ihrer Stelle waere, wuerde ich vermutlich ebenso reagieren. Nicht nur, dass wir so wenig tragen, nein, wir tragen es auch noch in unseren Haenden, wie die kleinen Kinder unter 5 Jahren. Alle anderen, so ab 9-10 Jahren, tragen 10-20 Liter auf ihren Koepfen. Es muss wirklich ein lustiges Schauspiel sein – ich lach mich selbst immer schlapp ueber uns zwei 🙂

Eine andere Methode an Wasser zu kommen, ist das Sammeln von Regenwasser – das machen in Lotome sehr viele. Zumindest einen Eimer stellt man raus – auch wir, denn das bedeutet, man muss einen Eimer weniger schleppen. Regenwasser wird besonders gerne zum Waschen von Kleidung verwendet, allerdings konnte ich bis jetzt noch nicht so viel mit meinem kleinen Eimer auffangen, dass es dafuer gereicht haette. 😉
Auf Grund der doch nicht ganz so einfachen Versorgung mit Wasser faengt man an, moeglichst viel Wasser einzusparen. Eine kleine Methode von mir ist es, dass Wasser, dass ich zum Haendewaschen verwende, aufzufangen und dann damit meine Hocktoilette zu spuelen.

Mir wird hier immer bewusster, mit was fuer einem Privileg ich aufgewachsen bin – Wasserhahn auf und man hat sauberes Wasser, dass man sogar trinken kann! Wenn ich in Lotome Trinkwasser haben moechte, bedeutet das im ersten Schritt zum Brunnen zu gehen und Wasser zu holen. Dabei muss man wissen, dass einige Brunnen besser sind als andere – der zu dem wir immer gehen hat laut den Anwohnern sogar Trinkwasserqualitaet. Es gaebe zwar welche die naeher an unserer Unterkunft dran sind, aber die liegen direkt neben und auf dem Grundstueck eines Krankenhauses. Nachdem es in Lotome hin und wieder kleinere Probleme mit Hepatitis E gab, haben wir beschlossen uns doch lieber auf den etwas laengeren Weg zu machen. trotzdem trinken wir das Wasser aus diesem Brunnen auch nicht ungefiltert. Sicher ist sicher. Ich habe schon viele das Wasser aus diesem Brunnen trinken sehen und denke, dass es ok ist, aber man muss ja nichts riskieren. Eine andere Moeglichkeit an sauberes Wasser zu kommen, sind Chlortabletten, allerdings schmeckt dass Wasser dann auch nach Chlor und deswegen stellen die fuer  mich auch eher eine Notloesung dar.

Auch auf den Verkehr hat Wasser einen grossen Einfluss – Hier in Karamoja gibt es kaum asphaltierte Strassen, allerdings sieht man auf dem Weg nach Moroto ueberall Baustellen – es wird also an einer Verbesserung der Infrastruktur gearbeitet. Nach einem Regenguss, wie dem, den wir jetzt gerade hatten, verwandeln sich die Strassen in eine rutschige Pampe und teilweise werden Bruecken ueberschwemmt.

Überschwemmte Brücke in den Bergen
Überschwemmte Brücke in den Bergen

 

 

 

 

 

 

 

 

Grosse Trucks und Autos ohne Allradantrieb bleiben auch schon mal stecken. In der Trockenzeit hingegen versperrt einem der massive Staub beinahe die Sicht – so wurde es mir zumindest erklaert, denn die Trockenzeit habe ich noch nicht erlebt.

Ich erlebe hier, wie noch nie zuvor, die Abhaengigkeit von einer Ressource, die fuer mich vorher eigentlich selbstverstaendlich war. Wasser ist immer da. Hier gibt es mal viel, mal wenig. Eine Herausforderung – nicht nur fuer mich, sondern fuer viele der Menschen in dieser Region, fuer die Tiere und fuer die Pflanzen. Eine Herausforderung die wahrgenommen wird und der sich NGOs, wie die WHH, zusammen mit der Bevoelkerung stellen und gemeinsam Loesungen suchen und finden. Eine Zusammenarbeit, auf die alle stolz sein koennen.

Am Ende noch mal die kurze Erinnerung, dass man fuer das weltwaerts Programm spenden kann – wie das genau funktioniert, steht hier… Danke an alle, die bereits gespendet haben und die noch spenden werden. Fuehlt euch alle gedrueckt. ❤